profile image
by JohannaWeimer
4 weeks ago

Inzidenz 200 für Schulen sind unverantwortlich



@RegSprecher Schulen
Offen lassen bis zum Inzidenzwert von 200 ist Wahnsinn- auch mit Test, wenn allein an die Inzidenz geknüpft. Diese wird bei den Älteren mit den Impfungen sinken und dementsprechend in anderen Altersgruppen in die Höhe schießen.
Vor allem dürfen auch Förderschulen nicht ausgenommen (und damit in Präsenz gezwungen) werden. Das Offenhalten mag vordergründig logisch sein, da es sich um benachteiligte Familien und Kinder handelt. Die werden ja generell gerne vorgeschoben aktuell. Aber: dort gibt es besonders viele Kinder und Jugendliche, die zu einer Risikogruppe gehören. Zudem leben mehr Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen und nicht zuletzt gehören viele Familien zu einer Bevölkerungsschicht, die selbst oft nicht gut in der Lage ist (zum Teil auch nicht willens) sich an Hygieneregeln zu halten. Das hört sich nach Vorurteilen an, basiert aber auf jahrelangen Erfahrungen als Förderschullehrerin. Es hat nichts damit zutun, dass ich die Kinder nicht mag, ich arbeite gerne mit Ihnen. Ich bin jetzt seit vielen Jahren im inklusiven Bereich tätig und auch hier zeigen sich die Probleme. Viele der Kinder und der Eltern sind offenbar nicht in der Lage, sich an einfachste Regeln zu halten, wie eine Maske adäquat zu tragen. Stattdessen stellt man sich mal auf einem Schulhofbereich (extra für eine „Kohorte“ eingerichtet) zusammen ohne Maske inmitten von einer Gruppe von Kindern mit Masken und nimmt das Problem nicht wahr (ist nur ein Beispiel). Viele leben auf engstem Raum mit vielen Familien (mit Kindern in diversen Schulen) zusammen. Die Väter arbeiten oft unter prekären Verhältnissen auf dem Bau, ohne jegliche Hygieneregeln. Ich habe oft Hofbesuche gemacht während Zeiten von Schulschließungen und Wechselunterricht. Von „der Politik“ werden diese Familien (ich rede jetzt auch von Kindern in Lernhilfeschulen und im inklusiven Bereich) gerne zitiert, um Präsenz zu fordern. Leider gibt es ohne Corona schon nicht viel Unterstützung. im Alltag. Man kann nicht fordern, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Präsenz geschult werden ohne zusätzliche Unterstützung personeller Art und auch mit mehr Platz. Das ist gefährlich und unzumutbar - für alle.
Leider wurden wegen nicht vorhandener Unterstützung viele Kinder nicht in Präsenz beschult, die es tatsächlich gebraucht hätten. Es waren einfach zu viele Kinder insgesamt da (insbesondere als in Hessen nur die Präsenzpflicht ausgesetzt wurde anstatt echter Notbetreuung) als man das hätte verantworten können.
Bis heute hat man es nicht geschafft, Unterstützungssysteme für Schulen zu schaffen, die wirklich helfen (ich weiß, Schule ist Ländersache). Sonderpädagoginnen-Stunden: unzureichend (nach Aussage des Schulamtes zu viele. Keine systembezogenen Hilfen, stattdessen auf einzelne Kinder bezogene Hilfen (Teilhabeassistenzen), die sehr selten genehmigt werden und dann im Prinzip nur dieses Kind unterstützen.
Mich nervt einfach, dass man Floskeln zur Rechtfertigung nutzt, um Öffnungen durchzudrücken. Um die „armen“ Kinder und die bildungsfernen Familien geht es hier definitiv nicht, sie werden nur instrumentalisiert.
Mein Frust ist wie der der allermeisten Kolleg:innen extrem. Hört doch einfach auf die Wissenschaft. Wir fühlen uns verheizt, wenn wir hören, dass Firmen, die massiv Unterstützung vom Staat bekamen, höhere Dividenden auszahlen als zuvor. Oder wie sich die Zahl der Milliardäre erhöht während der Pandemie...
Ehrlich, ich bin bei allem Respekt für die pausenlose Arbeit der Politiker:innen im letzten Jahr soweit, zur Protestwählerin zu werden. Keine Angst, keine AfD. Ich kritisiere nicht die Impfstoffbeschaffung oder ein paar Maskenskandale, moral- und ethiklose Menschen gibt es immer. Aber das Verhalten von Ministerpräsident:innen, die nach jedem Beschluss machen, was sie wollen und nur nach Schlupflöchern suchen, das kritisiere ich. Die Kultusminister:innen, an denen die Bild offenbar völlig vorbei gegangen ist, und die generelle Wissenschaftsfeindlchkeit, das treibt mich weg von den Parteien.
Sorry für den Rundumschlag. Um noch mal zum Anfang zurück zu kommen: Bitte schützen Sie auch die Menschen in Schulen für geistig Behinderte und andere Förderschwerpunkte. Generell ist die Inzidenz von 200 einfach viel zu hoch, gerade wenn man sich überlegt, dass sie in anderen Bevölkerungsgruppen jetzt es sinken wird und damit die 200 nicht mehr das wieder geben wird, was sie im Herbst letzten Jahres oder noch im Januar zeigte.

Mütende Lehrerin inkognito